Erfolg und Scheitern von Gemeinschaften: Woran liegt’s? Teil 3

Welche Verhaltensweisen können Gemeinschaftsprojekte spalten - und wie erkennt man Strategien von Trollen, Zersetzern & co?
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Hallo ihr lieben,

gemeinschaftlich etwas auf die Beine zu stellen, erscheint oft gar nicht einfach! An sich ist das Leben in Gemeinschaft wohl die natürlichste, menschlichste Art zu leben. Doch die Art und Weise, wie wir heutzutage aufwachsen und leben, macht uns echte Kooperation nicht gerade einfach.
Wie Gemeinschaft trotz allem gelingen kann, hatte ich in den letzten beiden Beiträgen hier und hier beschrieben!

In diesem Beitrag möchte ich mich nun mit Verhaltensweisen beschäftigen, die Gemeinschaften spalten – und wie man sie erkennt.

Zersetzungspraxis: Was Gemeinschaften spalten kann

Online oder offline habt ihr sie bestimmt schon kennengelernt: Menschen, die mit ihrem Verhalten nicht das Miteinander fördern, sondern Spaltung, Verwirrung und Zweifel säen.

Trolle, Zersetzer, Spalter, wie auch immer man sie nennen mag, suchen Aufmerksamkeit, sind nicht an Lösungen interessiert und versuchen Menschen gegeneinander aufzuhetzen.

Der Witz dabei ist: Wohl jeder Mensch hat schon mal unbewusst „Trollstrategien“ angewandt! Es mag Trolle geben, die sich gar nicht bewusst sind, was sie anrichten…
Doch das ändert nichts daran: Wenn spaltende Aktivitäten nicht erkannt oder gestoppt werden, kann das unerwünschte Folgen haben:

  • Die Energie der Gruppe verpufft,
  • Sinnvolle Entscheidungen und koordiniertes Handeln werden verhindert, so dass die Gruppe ihre Ziele nicht erreicht,
  • Empfindsame Menschen verlassen die Gruppe oder die Gruppe fällt gar auseinander.

Also: Gruppen, die gemeinsame Ziele erreichen wollen, sollten spaltende Aktivitäten schnell erkennen und entsprechend handeln.
Jeder einzelne Mensch ist ebenfalls aufgerufen, spaltende Verhaltensweisen bei sich selbst zu erkennen. Da nehme ich mich selbst nicht aus…

Spaltende Aktivitäten sind manchmal subtil.
Wer die betreffenden Menschen stoppt, wird dann manchmal von der eigenen Gruppe als spalterisch, aggressiv oder intolerant hingestellt… und wer sich als liebevoller Mensch sieht, will ja niemanden verletzen und bloß nicht selber als Schuldiger dastehen!
Nun, genau das nutzen Zersetzer für ihre Ziele aus – egal ob das bewusst oder unbewusst geschieht.

Also möchte ich hier einen Überblick geben, woran man spaltende Aktivitäten erkennen kann – und mögliche Reaktionsstrategien.

Sie wurde inspiriert von eigenen Erfahrungen, Fortbildungen in Kommunikation und Psychologie, dieser Zusammenstellung und anderen Quellen.

Nun denn, hier zunächst eine Zusammenfassung:

  • Vermeiden von sachlichem Austausch und Argumenten
  • persönliche Attacken
    • (subtile) Unterstellungen, Vorwürfe und Schuldzuweisungen,
    • in die Rechtfertigung drängen
  • Ablenkungstaktiken
    • Irrelevanz, Unsinn und glaubhaft klingende Lügen
    • Weitschweifigkeit
  • Übertreibungen
  • (oberlehrerhafte) Bekehrungsversuche, Verabsolutierung
  • Wechsel der Kommunikationsebenen
  • Angst und Verunsicherung schüren
  • Subtilere Taktiken

Konkrete Beispiele

Vermeiden von sachlichem Austausch

– Stelle irgendwelche Behauptungen auf und begründe sie keinesfalls: „Das ist dumm / undemokratisch / Unsinn / völlig klar / die einzige Lösung / das weiß doch jeder… “
– Stelle Dinge als selbstverständlich hin, die es nicht sind, oder die niemand überprüfen kann. Wiederholung hilft dabei.
– Konkrete Fragen solltest du nie beantworten, sondern mit einer der hier beschriebenen Strategien reagieren.
– Störe echte Argumente durch Gegenfragen, irrelevante Details oder weitschweifige Ausführungen, so dass die eigentliche Ausgangsfrage in Vergessenheit gerät.
– Erfinde eigene Definitionen von Wörtern, die sonst niemand kennt, und bestehe darauf, dass deine Definition die einzig wahre sei.

Persönliche Attacken: (subtile)Unterstellungen, Vorwürfe und Schuldzuweisungen; in die Rechtfertigung drängen

– Werfe anderen niedere Motive, Aggressionen, Ego-Spiele, Intoleranz oder Inkompetenz oder fehlendes Verständnis deiner Position vor. Das kann auch subtil geschehen: „Ich möchte lieber mit einem kompetenten Menschen sprechen.“

Beispiele für subtile Attacken:
Erstaunen (“Das kann nicht Dein Ernst sein!” „Glaubt ihr das wirklich?“ „Echt jetzt?“);
Langeweile (“Das ist ja nichts Neues”);
Spott und Hohn (“Das ist ja Kindergarten-Niveau!”);
Abbügeln („Erzähl doch nicht sowas.“);
Totschlagargumente („Das ist doch nur eine Theorie.“).
Subtile Unterstellungen („Hast du überhaupt fertig studiert?“ )
…und viele mehr.

– Stelle keine konkreten, ernstgemeinten Fragen, sondern verstecke in Fragen subtile Unterstellungen und Schuldzuweisungen.
– Mache vage suggestive Andeutungen, anstatt klare Fragen zu stellen oder zu sagen, was du willst. So müssen Menschen, die auf dich reinfallen, raten, was dein Anliegen ist. Wenn sie falsch liegen, hast du gleich einen Grund, sie zu attackieren.
– Wenn du Fragen stellst, sollten sie so formuliert sein, dass von vornherein keine richtige Antwort möglich ist, sondern dass andere lächerlich dastehen oder in die Rechtfertigung gedrängt werden.
– Wenn andere dich auf deine Spielchen ansprechen, ignoriere es oder lenke ab, stelle ihre guten Absichten oder Kompetenz in Frage, benutze hohle Phrasen, verbreite gute Laune, lasse dein Gegenüber lächerlich wirken, jammere oder ergehe dich in langatmigen Entschuldigungen.
– Wenn jemand dich stoppen will, unterstelle ihm niedere Absichten, bezeichne denjenigen als Nazi oder sonstiges. Organisiere einen Aufschrei für die Meinungsfreiheit oder gegen die Zensur.


Ablenkungstaktiken, Irrelevanz & Unsinn, Lügen, Weitschweifigkeit

– Veranstalte großen Wirbel um irrelevante Details oder Fragestellungen, die nichts mit dem Thema der Gruppe zu tun haben.
– Denke dir Unsinn oder glaubhaft klingende Lügen aus, welche die Gemeinschaft, den Menschen oder die Organisation in einem schlechten Licht dastehen lassen
– Reduziere einen Menschen auf sein Äußeres oder auf einen irrelevanten Punkt im Lebenslauf, der nichts mit seiner jetzigen Tätigkeit zu tun hat – so kannst du denjenigen z.B. als lächerlich, gefährlich oder inkompetent darstellen.
– Texte andere weitschweifig zu und störe damit den konstruktiven Austausch.

Übertreibungen, (oberlehrerhafte) Bekehrungsversuche und Verabsolutierung

– Sprich wie von der Prediger- oder Lehrerkanzel herab, stelle deine Behauptung als einzige absolute Wahrheit dar und stelle alle anderen als inkompetent dar: „Das muss endlich in eure Köpfe rein…“
– Benutze „immer“ oder „alle“ oder „nie“ oder „jeder“.
– Anstatt von dir und deinen Erfahrungen zu sprechen, sprich nur von „wir“ und „man“.
– Benutze viele !!! oder GROßBUCHSTABEN oder auffällige Emoticons.

Wechsel der Kommunikationsebenen

– Sprich niemals von dir – oder wenn, dann nur sehr allgemein und von einer „höheren Warte“ aus, ohne irgendetwas Konkretes zuzugeben oder zu begründen.
– Benutze diffuse Phrasen oder springe plötzlich in eine höhere Ebene, damit dir niemand widersprechen kann – zum Beispiel: „Was du in mir zu sehen glaubst, bist nur du selbst.“
– Attackiere andere subtil von einer „höheren Warte“ aus. Spiele dabei ggf. den nachsichtigen Lehrer oder Therapeuten. “Das ist gar nicht schwer zu verstehen, ich erkläre es gerne nochmal.” / “Deine Gedanken sind noch sehr in alten Mustern eingefahren.“ / „Ich kann deine Probleme (mit mir) gut verstehen.“ /

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Falsche Toleranz ist nicht angebracht

Viele Menschen mögen sich unbewusst so verhalten – wenn sie in ihrer Kindheit solche Verhaltensmuster vorgelebt bekommen haben.
Und andererseits gibt es Zersetzer, die bewusst handeln und die gar für ihre Aktivitäten bezahlt werden… aber das ist eine andere Geschichte.

Keine der genannten Strategien macht für sich gesehen jemanden schon zum Zersetzer, doch wenn solches Verhalten z.B. alle anderen Gespräche unmöglich macht oder häufiger auftritt, sollte es klar angesprochen und gestoppt werden.

Dabei ist falsch verstandene „Toleranz“ nicht angebracht – stattdessen finde ich Liebe deutlich sinnvoller.

Zersetzendes Verhalten still zu dulden, wäre nicht liebevoll für den betreffenden Menschen, und auch nicht für die Gemeinschaft. Durch Nichtstun würde man sich eher schon mit verantwortlich machen, wenn das Verhalten andauert und die Gemeinschaft spaltet.

Wie kann man denn nun reagieren?

Es gibt natürlich viele Möglichkeiten, auf so etwas zu reagieren. Hier sind einige, die mir relevant erscheinen.

– Klare Richtlinien erstellen, auf die man verweisen kann, ohne sich persönlich angreifbar zu machen
– Ignorieren
– Nicht selber triggern lassen (was dazu führen könnte, dass man selber die genannten Taktiken verwendet)
– Wenn’s doch passiert: Klar dazu stehen, von sich selber sprechen, wahrhaftig bleiben, klare Ansagen machen.
– Nicht auf die Unterstellungen und Schuldzuweisungen des Zersetzers eingehen. Eigene Zweifel klären und auf der Spur bleiben.
– Nicht darauf reinfallen, wenn Trolle sich auf Meinungsfreiheit berufen oder sich wegen Zensur beschweren: Oft werden diese Ausreden benutzt, um Unsinn zu verbreiten und zu stören. Jede Gruppe hat das Recht, solchen Missbrauch ohne schlechtes Gewissen zu stoppen.

– Bei giftigen Hassreden, Drohungen, Verhindern der Zielerreichung etc. müssen Konsequenzen gezogen werden bis hin zur Entfernung aus der Gruppe / Gemeinschaft.

Falls ein Gespräch mit dem/derjenigen relevant oder unvermeidbar erscheint:

– Mit Fakten reagieren.
– Den Troll auf sein eigenes Verhalten ansprechen. „Du machst vage Andeutungen / greifst andere an / , anstatt beim Thema zu bleiben.“
– aktives Zuhören üben („Du denkst, dass…“ „Dich stört es, dass…“ „Habe ich dich richtig verstanden, dass…“
– Wenn Trolle echte Probleme oder Fehler ansprechen: Nicht ignorieren, sondern sie direkt ansprechen und ggf. Korrigieren. Das schafft auch beim Rest der Gruppe Vertrauen und zeigt, dass man zuhört.

Was hält Gemeinschaften in solchen Situationen zusammen?

Hilfreich ist es, wenn es ein starkes Kernteam gibt, das sich einig in wesentlichen Punkten ist.
Absprachen bezüglich dem Umgang mit Konflikten sind sinnvoll.
Am besten sollten alle Gruppenmitglieder wissen, was sie warum tun. Dazu sind klare Werte und Prinzipien hilfreich, denen sich alle Mitglieder freiwillig verpflichten.
Dann können die Mitglieder der Gruppe nicht so leicht verwirrt oder gegeneinander ausgespielt werden.
Was noch zum Gelingen von Gemeinschaften beiträgt, habe ich hier zusammengefasst 🙂

Hast du noch weitere Erkenntnisse rund um diese Themen? Dann freue ich mich über deine konstruktive Rückmeldung!

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Auch Fragen und Anmerkungen sind herzlich willkommen -
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Herzensgrüße,
Manuela
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Manuela Kuhar

Manuela Kuhar

Dies ist ein Blog rund um gesellschaftlichen Wandel und Transformation. Er richtet sich an Gemeinschaftssuchende und -Gründer,
an Menschen, die Alternativen zu Vereinsamung, Leistungs- und Konsumwahn suchen;
sowie alle, die mit Herz und Hand positiven Wandel bewirken wollen.

Zu meinem Hintergrund: Ich habe einige Jahre lang als (Wissenschafts-) Journalistin gearbeitet. Seit einigen Jahren habe ich mich von vielen Systemstrukturen unabhängig gemacht, erforsche insbesondere Gemeinschaften und Ökodörfer als Vorreiter eines neuen menschlichen Miteinanders, und tue das, was meinen Werten und Überzeugungen entspricht.

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