Warum Geld (noch) die Welt regiert – und wie es anders geht! Teil 1

Welche Auswirkungen hat das heutige Geldsystem - und was können wir tun, um etwas zu verändern?
Geld regiert die Welt

Hallo allerseits,
auf meiner über zweijährigen „Forschungsreise“ habe ich in Gemeinschaften und Ökodörfern viel darüber gelernt, wie das heutige Geldsystem funktioniert, welche Auswirkungen es hat, und warum es so wichtig ist, Alternativen dazu aufbauen. In der Tat halte ich einen neuen Umgang mit Geld für eine Voraussetzung, um positive Veränderung zu ermöglichen. Solange das heutige Geldsystem gibt, kann es keinen echten Frieden, keine wirkliche Freiheit und keine Demokratie geben.

Wie komme ich darauf? Wie funktioniert das heutige Geldsystem und welche Folgen hat es? Wie kann es anders gehen und was können wir dafür tun?
Darum geht es in den folgenden Zeilen!

Geld: Tauschmittel oder Wurzel allen Übels?

Geld „an sich“ ist doch nichts Böses, oder? Stimmt schon… allerdings:

Wenn Naturvölker etwas als Hilfsmittel zum Tausch verwenden, zum Beispiel Muscheln oder Getreide, dann kann man das als Geld bezeichnen. Ich gehe mal davon aus, dass diese Art von Geld tatsächlich ethisch neutral ist.

Doch das heutige Geldsystem hat nicht mehr viel mit dieser einfachen Art von Geld zu tun.
Es funktioniert mit ganz neuen Eigenschaften, die zwangsläufig zu Ungerechtigkeit, Vereinzelung, Konkurrenzkampf und Raubbau an Mensch und Natur führen – auch dann, wenn wir eigentlich einen fairen Austausch anstreben.

Mit diesen Eigenschaften halte ich das existierende GeldSYSTEM nicht mehr für ethisch neutral.
Warum? Schauen wir uns seine Eigenschaften und deren Folgen an!

Hier das Inhaltsverzeichnis der Artikelserie:
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Teil 1: Funktionsweise und Auswirkungen des heutigen Geldsystems

  • Zinsen, Schuldbehaftete Geldschöpfung und Banken in Privateigentum
  • Missbrauch von Steuern
  • Inflation / Fehlende Deckung
  • Missbrauch von Privateigentum
  • Überwachung und Verhaltenssteuerung
  • Was können wir tun?


Teil 2: Gerechtigkeit dank neuer Währung? Wie eine echte Gemeinwohlwirtschaft aussehen kann

Teil 3: Geld und Tauschlogik: Geht es auch ohne?
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Funktionsweise und Auswirkungen des heutigen Geldsystems


1. Zinsen, Schulden und private Banken

Viele Menschen denken, dass Staaten Geld erschaffen (schöpfen) würden. Doch das ist nicht der Fall. Geld wird durch Banken geschöpft, die sich in privatem Eigentum befinden.
Bei der Geldschöpfung erschafft die Bank nicht nur ein Guthaben, sondern gleichzeitig eine gleich hohe Schuld.
Kreditnehmer (Staaten, Unternehmen, Privatpersonen…) müssen dann nicht nur die Schuld zurückzahlen, sondern zusätzlich noch Zinsen, ggf. Zinseszinsen.
Doch dieses Guthaben, was zur Rückzahlung der Zinsen nötig wäre, wurde niemals erschaffen!
Woher es also nehmen – wenn nicht von anderen stehlen?

Durch das Zinssystem gibt es auf der Welt immer mehr Schulden als Guthaben. Geld wird systematisch von vielen Arbeitenden zu wenigen Reichen umverteilt. Also führt das Geldsystem automatisch zu einer Machtkonzentration bei Großkonzernen und Banken.

Die Folgen des Zinssystems sind verheerend:

Künstlich erzeugter Mangel, Konkurrenzdruck, Hamsterrad, soziale Isolation und Raubbau an Mensch und Natur sind nur einige davon.

  • Um Zinsen zurückzuzahlen, müssen immer mehr menschliche und natürliche Ressourcen in Geldwert verwandelt werden. Was früher Freunde, Familie und Nachbarn geldfrei füreinander taten, wird zu „Dienstleistungen“: Kinderbetreuung, Seniorenpflege, Garten pflegen, Hund ausführen…)
    Das führt zu Vereinzelung, Beziehungslosigkeit und der routinemäßigen Entmenschlichung sozialer Tätigkeiten.
    • Häuser und Städte sind so gebaut, dass Menschen möglichst wenig Gelegenheit für gemeinschaftliche Aktionen und Selbstversorgung haben – damit sie mehr Geld ausgeben! In Städten gibt es z.B. kaum Flächen zum Anbau von Lebensmitteln. Darüberhinaus geraten viele Fähigkeiten in Vergessenheit, mit denen Menschen sich selbständig geldfrei versorgen könnten.
    • Gewinnbringende Naturzerstörung wird nicht nur geduldet, sondern sogar subventioniert (Monokulturen, Massentierhaltung…)
    • Ärzte behandeln gewinnbringend Symptome und dienen als Pharmaprodukt-Verkäufer, statt Ursachen von Krankheiten zu erkennen und aufzulösen, und anstatt Menschen zu Prävention und gesundem Lebensstil zu ermutigen.
    • Schule dient der Abrichtung unzufriedener, autoritätshöriger Konsumenten (denn glückliche, selbstverantwortliche Menschen kaufen weniger).

    Eine Wirtschaft, die das Wohl von Mensch und Natur in den Vordergrund stellt, ist so nicht möglich!
    Wenn wir wirklich positive Veränderung erreichen wollen, anstatt nur an Symptomen herumzudoktern, kann das nur ohne Zinsen, Schulden und private Banken funktionieren.

    Wenn du nun gleich wissen willst, wie wir eine lebensförderliche Wirtschaft aufbauen können, kannst du zu diesem Artikel springen.

    Ansonsten findest du hier noch weitere Eigenschaften des heutigen Wirtschaftssystems und ihre Folgen:

    2. Missbrauch von Steuern

    Viele Menschen denken, dass Steuern für die Finanzierung von Infrastruktur etc. notwendig seien, doch das ist nicht der Fall. Derzeit fließen über 80 Prozent der Steuern in Form von Zinsen und Schuldrückzahlungen an Banken zurück, und der Rest wird auch nicht gerade gemeinwohlförderlich verwendet. (Die Berechnungen dazu sind u.a. in diesem Buch zu finden.)

    Steuern dienen heutzutage lediglich zur Steuerung von menschlichem Verhalten, wie das Wort schon sagt. Sie sind nicht unbedingt nötig, um öffentliche Vorhaben zu finanzieren – da gibt es andere Möglichkeiten. Diese habe ich im Folgeartikel beschrieben.

    3. Fehlende Deckung / Inflation

    Heutzutage wird Geld unkontrolliert in großen Mengen geschöpft. Es ist viel mehr Geld im Umlauf als reale Sachwerte vorhanden sind, d.h. Geld ist durch nichts „gedeckt“.
    Im Zusammenhang mit dem Zinssystem führt das zu Inflation und „Blasen“. Wirtschaftszusammenbrüche sind geradezu vorprogrammiert.

    4. Missbrauch von Privateigentum von Land und natürlichen Ressourcen

    Der gesunde Menschenverstand sagt es eigentlich schon: Die Erde und ihre Schätze können niemandem gehören. Trotzdem können im derzeitigen Wirtschaftssystem einzelne Menschen oder Konzerne Eigentum an Land und natürlichen Ressourcen haben: Sogar weit mehr, als sie für den Eigenbedarf brauchen würden.

    Das heißt, diese Eigentümer haben die Macht, andere Menschen von der Nutzung des Landes oder dessen Ressourcen auszuschließen, auch wenn sie selbst diese gar nicht brauchen und andere Not leiden. Das Gleiche gilt für Wohnraum.
    Das führt zu vielerlei Problemen:

    • Kleinbauern verlieren ihre Existenz und Menschen hungern, weil Großkonzerne auf einst fruchtbaren Flächen Monokulturen anlegen und die Erträge in andere Länder exportieren.
    • Menschen finden keinen Wohnraum, obwohl es eigentlich genug gäbe.
    • Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser, weil Konzerne wie Nestlé Quellen aufkaufen und abschotten.
    • usw.

    Ich denke: In einer menschenwürdigen Zukunft kann es kein Privateigentum an Land und natürlichen Ressourcen geben – zumindest nicht über den Eigenbedarf hinaus.

    Wie es anders gehen kann, leben viele Gemeinschaften und Dorfprojekte schon heute vor, indem sie z.B. Land gemeinsam bewirtschaften, und indem sie gemeinsam über die Nutzung von Land, Ressourcen oder auch Wohnraum entscheiden.
    Immer bekannter wird auch die Idee der Commons: Das sind sind Produkte und Ressourcen (Wissen, Software, Nahrung, Energiequellen, Wasser, Land, Zeit u. a.), die gemeinsam, selbstorganisiert und bedürfnisorientiert hergestellt, gepflegt und genutzt werden. Beispiele: Allmenden, Open Source Software, Genossenschaften, Kollektive… Mehr Infos zu Commons gibt es z.B. hier.

    Manche Gemeinschaften gehen noch weiter, indem sie Gemeinsame Ökonomie praktizieren: Das bedeutet, dass die Mitglieder einer Gemeinschaft ihre Ressourcen und Einkünfte in einen Topf fließen, den alle nutzen können bzw. aus dem sämtliche Bedürfnisse bezahlt werden. Manche Gemeinschaften praktizieren auch eine Vermögensökonomie, d.h. auch Spareinlagen, Erbe etc. werden kollektiviert. Hier habe ich noch etwas zum Thema gemeinsame Ökonomie geschrieben (kurz), und hier ist noch ein längerer Erfahrungsbericht zum Thema.


    5. Überwachung und Verhaltenssteuerung

    Menschen, die das wirtschaftliche und politische System zum Positiven verändern möchten bzw. etwas Neues aufbauen möchten, erleben immer häufiger Willkürmaßnahmen wie z.B. die Sperrung ihres Kontos.
    In absehbarer Zeit sind Wirtschaftsreformen geplant, z.B. Bargeldabschaffung und digitales Zentralbankgeld, mit denen noch viel mehr Verhaltenskontrolle möglich wird: Denn so ist keine wirtschaftliche Handlung mehr frei von Überwachung.
    Digitales Geld kann leicht programmiert werden, so dass es z.B. nur für bestimmte Zwecke eingesetzt werden kann. Auch ein soziales Punktesystem, wie es jetzt schon in China praktiziert wird, ist mit digitalem Zentralbankgeld leicht umsetzbar. Die Möglichkeiten der totalen Diktatur, die das Zentralbankgeld bietet, sind hier kurz zusammengefasst.

    Was können wir tun?

    Jeder Euro, mit dem wir bezahlen, fließt zum großen Teil zu Banken zurück – durch Zins- und Schuldrückzahlungen. So erhalten wir mit jedem Euro den beschriebenen Wahnsinn aufrecht.

    Wie kommen wir da nun raus?
    Klar geht das nicht von heute auf morgen. Doch wir können jetzt schon beginnen – kurz gesagt, indem wir alles Nötige unabhängig vom Euro zur Verfügung stellen.

    Möchtest du wissen, welche Möglichkeiten es für dafür gibt, und was Du konkret tun kannst? Dann schau gerne in diesem Artikel nach!

    Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, teile ihn gerne!
    Auch Fragen und Anmerkungen sind herzlich willkommen -
    in den Kommentaren, per Mail oder Facebook.

    Herzensgrüße,
    Manuela

    7 Antworten

    1. Hallo Manuela,
      Ich befasse mich mit diesem Thema seit mehr als 20 Jahren und habe jetzt zum 1. Januar das Solidara.net gestartet, um eine Alternative zum bisherigen kapitalistischen System zu etablieren.

      Lass uns gerne weiter in Kontakt treten, wenn dich das Thema interessiert.

    2. Sehr iteresssant, hat mich neugierig gemacht. Mein Job ist ok, aber dann denke ich wars das…. schön mal andere Denkansätze kennenzulernen.

    3. Hi Manuela, Danke fürs Zusammenfassen von so vielen guten Ideen, Projekten und Konzepten. Hat mir Freude gemacht zu lesen, dass es so tolle Entwicklungen gibt und Veränderungen möglich sind und es Alternativen gibt die weiter entwickelt werden! Toll beschäftigst du dich damit und teilst es mit uns allen.
      Ganz Liebe Grüße Daniel

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