Warum Geld (noch) die Welt regiert – und wie es anders geht! Teil 1

Share on facebook
Share on whatsapp
Welche Auswirkungen hat das heutige Geldsystem - und was können wir tun, um etwas zu verändern?
Geld regiert die Welt

Hallo allerseits,
auf meiner über zweijährigen „Forschungsreise“ habe ich in Gemeinschaften und Ökodörfern viel darüber gelernt, wie das heutige Geldsystem funktioniert, welche Auswirkungen es hat, und warum es so wichtig ist, Alternativen dazu aufbauen. In der Tat halte ich einen neuen Umgang mit Geld für eine Voraussetzung, um positive Veränderung zu ermöglichen!
Also möchte ich euch mit diesem Artikel Möglichkeiten vorstellen, wie es anders gehen kann und was wir dafür tun können!

Geld: Tauschmittel oder Wurzel allen Übels?

Geld „an sich“ ist doch nichts Böses, oder? Stimmt schon… allerdings:

Wenn Naturvölker etwas als Hilfsmittel zum Tausch verwenden, zum Beispiel Muscheln oder Getreide, dann kann man das als Geld bezeichnen. Ich gehe mal davon aus, dass diese Art von Geld tatsächlich ethisch neutral ist.

Doch das heutige Geldsystem hat nicht mehr viel mit dieser einfachen Art von Geld zu tun.
Es funktioniert mit ganz neuen Eigenschaften, die zwangsläufig zu Ungerechtigkeit, Vereinzelung, Konkurrenzkampf und Raubbau an Mensch und Natur führen – auch dann, wenn wir eigentlich einen fairen Austausch anstreben.

Mit diesen Eigenschaften halte ich das existierende GeldSYSTEM nicht mehr für ethisch neutral.
Warum? Schauen wir uns seine Eigenschaften und deren Folgen an!

Hier das Inhaltsverzeichnis der Artikelserie:
Teil 1:
1. Zinsen
2. Schuldbehaftete Geldschöpfung
3. Banken in Privateigentum
>>Zinsfreie Währungen
4. Steuern
5. Unkontrollierte Erhöhung der Geldmenge
6. Privateigentum von Land und natürlichen Ressourcen
>> Commons und gemeinsame Ökonomie
7. Überwachung und Verhaltenssteuerung
>> Was jeder Einzelne tun kann

Teil 3: Schritte zu einer Wirtschaft für das Gemeinwohl! Was jeder Einzelne tun kann
– Die Vision: Wie eine echte Gemeinwohlwirtschaft aussehen kann
– Was jeder Einzelne tun kann
– Warum ich die E-Mark verwende – und wie sie zur Gemeinwohlwirtschaft führen kann

Teil 4: Geld und Tauschlogik: Geht es auch ohne?
– Tauschlogik und ihre Folgen
– Tauschlogikfreiheit
– Geldfreies Leben
– Wie kann der Übergang dorthin aussehen?

Die Auswirkungen des Geldsystems


1.-3.: Zinsen, Schulden, private Banken

Viele Menschen denken, dass Staaten Geld erschaffen (schöpfen) würden. Doch das ist nicht der Fall. Geld wird durch Banken geschöpft, die sich in privatem Eigentum befinden.
Bei der Geldschöpfung erschafft die Bank nicht nur ein Guthaben, sondern gleichzeitig eine gleich hohe Schuld.
Kreditnehmer (Staaten, Unternehmen, Privatpersonen…) müssen dann nicht nur die Schuld zurückzahlen, sondern zusätzlich noch Zinsen, ggf. Zinseszinsen.
Doch dieses Guthaben, was zur Rückzahlung der Zinsen nötig wäre, wurde niemals erschaffen!
Woher es also nehmen – wenn nicht von anderen stehlen?

Durch das Zinssystem gibt es auf der Welt immer mehr Schulden als Guthaben – und das führt zu ständigem Wachstumszwang.

Die Folgen des Zinssystems:
– Künstlich erzeugter Mangel
– Konkurrenzdruck, Hamsterrad
– Profitinteressen stehen bei den allermeisten politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen über dem Gemeinwohl
– Umverteilung von Geld von vielen Arbeitenden zu wenigen Reichen
– Machtkonzentration bei Großkonzernen

Mit Zinsen ist eine Gemeinwohlwirtschaft unmöglich!
Das Zinssystem ist eine Grundlage vieler Missstände:
– Um Zinsen zurückzuzahlen, müssen immer mehr menschliche und natürliche Ressourcen in Geldwert verwandelt werden. Was früher Freunde und Nachbarn geldfrei füreinander taten, wird zu „Dienstleistungen“: Kinderbetreuung, Seniorenbetreuung, Essen auf Rädern, Garten pflegen, Hund ausführen…)
Das führt zu Vereinzelung, Beziehungslosigkeit und der routinemäßigen Entmenschlichung sozialer Tätigkeiten
– Häuser und Städte sind so gebaut, dass Menschen möglichst wenig Gelegenheit für gemeinschaftliche Aktionen und Selbstversorgung haben – damit sie mehr Geld ausgeben. In Städten gibt es z.B. kaum Flächen zum Anbau von Lebensmitteln. Darüberhinaus geraten viele Fähigkeiten in Vergessenheit, mit denen Menschen sich selbständig geldfrei versorgen könnten.
– Gewinnbringende Naturzerstörung wird nicht nur geduldet, sondern sogar subventioniert (Monokulturen, Massentierhaltung…)
– Krankenhäuser behandeln gewinnbringend Symptome, statt Ursachen von Krankheiten aufzulösen.
– Schule dient der Abrichtung unzufriedener, unverantwortlicher Konsumenten (denn glückliche, selbstverantwortliche Menschen kaufen weniger)

Eine Wirtschaft, die das Wohl von Mensch und Natur in den Vordergrund stellt, ist so gar nicht möglich!
Wenn wir positive Veränderung in größerem Stil erreichen wollen, kann das nur ohne Zinsen funktionieren.

Was tun?

Jeder Euro, mit dem wir bezahlen, fließt zum großen Teil zu Banken zurück – durch Zins- und Schuldrückzahlungen. So erhalten wir mit jedem Euro diesen Wahnsinn aufrecht…

Wie kommen wir da nun raus?
Klar geht das nicht von heute auf morgen. Doch wir können jetzt beginnen – denn es gibt schon Alternativen ohne Schuld- und Zinssystem und ohne Wachstumszwang. Hier sind einige, die mir bekannt sind:

  • Regionalwährungen oder Zeitwährungen (z.B. Minutos: Diese werden bereits in mehreren Regionen Deutschlands als Tauschmittel genutzt, zum Beispiel im Lebensgarten Steyerberg.)
  • Gradido ist eine große Vision zur Schaffung einer neuen Gemeinwohlwirtschaft. In der Praxis hat das Gradido-System nach meinem Verständnis einige Schwachstellen, und soweit ich sehe, gibt es kein echtes Konzept zu dessen Einführung… doch sie machen gute Öffentlichkeitsarbeit, und ich bin neugierig, wie es damit weitergeht.
  • Mein Favorit ist die E-Mark : Auf dieser Währung basiert ein gut durchdachtes Wirtschaftskonzept, dessen Umsetzung in die Praxis schon vergleichsweise weit gediehen ist. Insbesondere gibt es die Online-Handelsplattform KadaRi (Kauf das Richtige 😉 ), auf der Unternehmer und Privatmenschen schon vieles für E-Mark anbieten: Lebensmittel, Haushaltsgeräte, Energiesysteme, Holzprodukte, diverse Dienstleistungen und vieles mehr.

    Bisher gibt es diese Währung digital, auch Bargeld ist geplant. Auch ich werde in meinem Unternehmen bevorzugt E-Mark annehmen, da ich das Konzept wirklich gut finde – zumindest solange wir Geld noch brauchen 🙂
    Vielleicht machst auch du mit?
    Denn je mehr Menschen die E-Mark nutzen, desto schneller gibt es alles, was wir brauchen, für E-Mark statt für Euro. Das würde das Ende von Hamsterrad und Konkurrenzdruck bedeuten und eine Erhöhung der Lebensqualität für alle.

    Hier erfährst du mehr über die E-Mark und wie du sie verwenden kannst!

    Weiter geht’s mit dem zweiten Teil der Serie über das Geldsystem: Darin geht es um Privateigentum, Steuern und Überwachung.

4. Steuern

Viele Menschen denken, dass Steuern notwendig seien, um Infrastruktur und Gemeinwohlprojekte zu finanzieren, und dass es deswegen egoistisch sei, keine Steuern zu zahlen.

Doch das ist nicht der Fall. Denn:
Über 80% der Steuern fließen in Form von Zinsen und Schulden zu (privaten) Bankkonzernen zurück. (Quelle)
Auch der Rest wird zum allergrößten Teil für Gemeinwohlschädliches verwendet (Militär, Subventionen von Monokultur-Landwirtschaft etc…) oder sinnlos verschwendet.
Selbständigkeit (Eigenverantwortung) wird durch die heutige Art der Besteuerung erschwert und Anstellung (Abhängigkeit) gefördert.
Steuern dienen nur dazu, das Verhalten von Menschen zu steuern. Es gibt geeignetere Möglichkeiten, Infrastruktur und Gemeinwohlprojekte zu finanzieren – mehr dazu im Artikel über die E-Mark.

5. Unkontrollierte Erhöhung der Geldmenge

Heutzutage wird Geld unkontrolliert in großen Mengen geschöpft. Es ist viel mehr Geld im Umlauf als reale Sachwerte vorhanden sind, d.h. heutiges Geld ist durch nichts „gedeckt“.
Im Zusammenhang mit dem Zinssystem führt das zu Inflation und „Blasen“; ständige Wirtschaftszusammenbrüche sind geradezu vorprogrammiert.
Das Thema Deckung ist komplex, daher belasse ich es mal hierbei 😉 Ein zukünftiges Wirtschaftssystem sollte jedenfalls ein sinnvolles diesbezügliches Konzept haben.

6. Privateigentum von Land und natürlichen Ressourcen

Der gesunde Menschenverstand sagt es eigentlich schon: Die Erde und ihre Schätze können nur sich selbst gehören. Trotzdem können im derzeitigen Wirtschaftssystem einzelne Menschen oder Konzerne Eigentum an Land und natürlichen Ressourcen haben: Sogar weit mehr, als sie für den Eigenbedarf brauchen würden. Das heißt, diese Eigentümer haben die Macht, andere Menschen von der Nutzung des Landes oder dessen Ressourcen auszuschließen, auch wenn sie selbst diese gar nicht brauchen und andere Not leiden. Das Gleiche gilt für Wohnraum.
Das führt zu vielerlei Problemen.
– Kleinbauern verlieren ihre Existenz und Menschen hungern, weil Großkonzerne auf einst fruchtbaren Flächen Monokulturen anlegen und die Erträge in andere Länder exportieren.
– Menschen finden keinen Wohnraum, obwohl es eigentlich genug gäbe.
– Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser, weil Konzerne wie Nestlé Quellen aufkaufen und abschotten.
usw.

Wie es anders gehen kann, leben (Dorf-)Gemeinschaften schon heute vor, indem sie z.B. Land gemeinsam bewirtschaften, und indem sie gemeinsam über die Nutzung von Land, Ressourcen oder auch Wohnraum entscheiden.
Immer bekannter wird auch die Idee der Commons: Das sind sind Produkte und Ressourcen (Wissen, Software, Nahrung, Energiequellen, Wasser, Land, Zeit u. a.), die gemeinsam, selbstorganisiert und bedürfnisorientiert hergestellt, gepflegt und genutzt werden.
Beispiele: Allmenden, Open Source Software, Genossenschaften, Kollektive… Mehr Infos zu Commons gibt es z.B. hier.

Manche Gemeinschaften gehen noch weiter, indem sie Gemeinsame Ökonomie praktizieren: Das bedeutet, dass die Mitglieder einer Gemeinschaft ihre Ressourcen und Einkünfte in einen Topf fließen, den alle nutzen können bzw. aus dem sämtliche Bedürfnisse bezahlt werden. Manche Gemeinschaften praktizieren auch eine Vermögensökonomie, d.h. auch Spareinlagen, Erbe etc. werden kollektiviert. Hier habe ich noch etwas zum Thema gemeinsame Ökonomie geschrieben (kurz), und hier ist noch ein längerer Erfahrungsbericht zum Thema.

7. Überwachung und Verhaltenssteuerung


Menschen, die das wirtschaftliche und politische System zum Positiven verändern möchten bzw. etwas Neues aufbauen möchten, erleben jetzt schon immer wieder Willkürmaßnahmen wie z.B. die Sperrung ihres Kontos.
In absehbarer Zeit sind Wirtschaftsreformen geplant, z.B. Bargeldabschaffung und digitales Zentralbankgeld,
mit denen noch viel mehr Verhaltenskontrolle möglich wird: Denn so ist keine wirtschaftliche Handlung mehr frei von Überwachung. Digitales Geld kann leicht programmiert werden, so dass es z.B. nur für bestimmte Zwecke eingesetzt werden kann. Auch ein soziales Punktesystem, wie es jetzt schon in China praktiziert wird, ist mit digitalem Zentralbankgeld leicht umsetzbar. Die Möglichkeiten der totalen Diktatur, die das Zentralbankgeld bietet, sind hier kurz zusammengefasst.

Was können wir angesichts dieses Schlamassels tun?

Wir können auf jeden Fall vieles tun, um eine neue Art der Wirtschaft aufzubauen – und damit auch ein neues menschliches Miteinander!
Wir können so viele Produkte und Dienstleistungen wie möglich außerhalb der Zinswirtschaft verfügbar machen…
…auf Schenk- und Tauschbasis…
…oder im Austausch für eine zinsfreie Währung wie Gradido oder die E-Mark…
…indem wir regionale Netzwerke aufbauen…
…Onlineplattformen nutzen…
…und am besten: Gemeinschaften bilden, Ressourcen teilen und sich Schritt für Schritt immer mehr selbständig und regional versorgen!

Mehr dazu schreibe ich demnächst in einen Artikel und verlinke ihn hier!

Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, teile ihn gerne!
Auch Fragen und Anmerkungen sind herzlich willkommen -
in den Kommentaren, per Mail oder Facebook.

Herzensgrüße,
Manuela
Share on facebook
Share on whatsapp
Manuela Kuhar

Manuela Kuhar

Dies ist ein Blog rund um gesellschaftlichen Wandel und Transformation. Er richtet sich an Gemeinschaftssuchende und -Gründer,
an Menschen, die Alternativen zu Vereinsamung, Leistungs- und Konsumwahn suchen;
sowie alle, die mit Herz und Hand positiven Wandel bewirken wollen.

Zu meinem Hintergrund: Ich habe einige Jahre lang als (Wissenschafts-) Journalistin gearbeitet. Seit einigen Jahren habe ich mich von vielen Systemstrukturen unabhängig gemacht, erforsche insbesondere Gemeinschaften und Ökodörfer als Vorreiter eines neuen menschlichen Miteinanders, und tue das, was meinen Werten und Überzeugungen entspricht.

Du kannst diesen Blog unterstützen! 

Jede Spende hilft, diese Webseite zu einer hilfreichen Plattform auszubauen, wo Transformations-Interessierte, Gemeinschafts-Suchende und Gründer Informationen und Erfahrungsberichte finden und teilen :-)
Vielen Dank!

5 Kommentare

  • Hallo Manuela,
    Ich befasse mich mit diesem Thema seit mehr als 20 Jahren und habe jetzt zum 1. Januar das Solidara.net gestartet, um eine Alternative zum bisherigen kapitalistischen System zu etablieren.

    Lass uns gerne weiter in Kontakt treten, wenn dich das Thema interessiert.

    Antworten
    • Hallo Werner,

      ui, ein ambitioniertes Projekt, ein Schenk- und Grundeinkommensnetzwerk – bin sehr neugierig, was daraus wird!

      Antworten
  • Sehr iteresssant, hat mich neugierig gemacht. Mein Job ist ok, aber dann denke ich wars das…. schön mal andere Denkansätze kennenzulernen.

    Antworten
  • Hi Manuela, Danke fürs Zusammenfassen von so vielen guten Ideen, Projekten und Konzepten. Hat mir Freude gemacht zu lesen, dass es so tolle Entwicklungen gibt und Veränderungen möglich sind und es Alternativen gibt die weiter entwickelt werden! Toll beschäftigst du dich damit und teilst es mit uns allen.
    Ganz Liebe Grüße Daniel

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Dich auch interessieren:

Wie kann Wandel (nicht) gelingen?

Was ist eigentlich „das System“, in dem wir leben, und wie wirkt es sich aus? Wie kann gesellschaftlicher Wandel aussehen – oder ein Systemwechsel?

Möchtest du mit reisen – per Email?

Du bekommst 1-2x pro Monat eine Email mit Erfahrungsberichten, Tipps und Inspirationen aus verschiedenen Gemeinschaften. 

Du kannst dich jederzeit aus dem Newsletter austragen.
Ansonsten gilt die Datenschutzerklärung.