Kommunen: Leben in der Utopie?

Was ist eine Kommune? Sind alle Kommunen politisch? Wie kann gemeinsame Ökonomie funktionieren, und wieso sind viele Kommunen unfreiwillig elitär? Darum geht es in diesem Beitrag...
Hühner auf der Stange

Heute dreht sich alles um das Thema Kommunen! Dabei meine ich nicht die Stadtverwaltung 😉 sondern eine Form des herrschaftsfreien Zusammenlebens.

Und was heißt das denn nun?! Also, heute gibt’s einen Überblick übers Thema:

  • Was ist eigentlich eine Kommune? Und sind alle Kommunen politisch?
  • Gemeinsame Ökonomie
  • Gleichberechtigung für die Elite?

Was ist eigentlich eine Kommune? Und sind alle Kommunen politisch?

…fragte mich letztens jemand von euch. Und die Antwort ist nicht so einfach zu geben.

Ganz allgemein ist eine „Kommune“ ein Zusammenschluss von Menschen, die sich auf vielfältige Weise aufeinander beziehen.  Zentrale Elemente von Kommunen sind: Herrschaftsfreiheit, Entscheidungsfindung im Konsens, gemeinsame Ökonomie, sowie Kollektivierung von Grund, Boden und Produktionsmitteln. (Quelle: Das Kommunebuch)

Insofern sind eigentlich alle Kommunen an sich politisch, denn sie stellen einen Gegenentwurf zum kapitalistischen Herrschaftssystem dar.

In der Praxis kann das total verschieden aussehen! Einige Kommunen sind mitten in der Stadt, andere draußen auf dem Land; in einigen arbeiten die Bewohner größtenteils innerhalb der Kommune, bei anderen eher außerhalb; viele BewohnerInnen wohnen in WGs, jedoch nicht alle; die Altersstrukturen und die Familienfreundlichkeit sind ganz verschieden, ebenso die Professionalität der Organisation und Verwaltung. Auch die Art und Häufigkeit des politischen Engagements der Bewohner ist ganz individuell.

Gemeinsame Ökonomie

…ist als Gegenentwurf zum kapitalistischen System gedacht. Gemeinsame Ökonomie heißt, dass Menschen Einkünfte und andere materielle Ressourcen gemeinsam nutzen.

In vielen normalen WGs gibt es schon eine einfache Form der gemeinsamen Ökonomie – nämlich dass jede/r pro Monat soundsoviel Euro in eine gemeinsame Kasse einzahlt, aus der dann z.B. Putzmittel oder kleine Reparaturen bezahlt werden.

Doch in Kommunen geht man oft viel weiter: Das Nettoeinkommen aller BewohnerInnen wird auf ein gemeinsames Konto überwiesen, von dem alle Bedürfnisse der Mitglieder bezahlt wird. Bei manchen Kommunen geht auch das Vermögen (Erbe, Autos, Häuser…) in die gemeinsame Ökonomie ein. Neueinsteiger schließen einen Vertrag mit der Kommune ab, in dem geregelt wird, was mit ihrem vorherigen Privateigentum geschieht und was sie bei einem eventuellen Ausstieg mitnehmen dürfen.

Privates Eigentum, also die Trennung zwischen „meins“ und „deins“, gibt es in so einer Gemeinschaft nicht mehr (oder nur in geringem Maße) – nur Ressourcen, die man sinnvoll miteinander einsetzt, um Bedürfnisse der Mitglieder zu erfüllen, und um eine gemeinsame Vision zu verwirklichen.

Unter den heutigen Umständen mag das utopisch klingen, weil die meisten Menschen mit Geld und Eigentum sehr viel Angst und Mangel-Denken verbinden.

Wie kann also gemeinsame Ökonomie funktionieren? Ich denke, es braucht die richtigen Menschen, die sich vertrauensvoll aufeinander einlassen und sich gegenseitig so sein lassen, wie sie sind; und es braucht eine höhere Vision, die über das individuelle kleine Ego hinausreicht.

Und ja, es gibt viele erfolgreiche Beispiele! Da gibt es z.B. die Kommunen in der Region Kassel, die sich zum Interkomm-Netzwerk zusammengeschlossen haben. Diese veranstalten mehrmals pro Jahr lange Wochenenden, bei denen Interessenten gleich alle Kommunen auf einmal kennenlernen können. Ich habe im Juni ein solches Interkomm-Seminar besucht und finde es sehr empfehlenswert!

Die älteste und größte Kommune in der Region Kassel ist die in Niederkaufungen. Ich war beeindruckt, was die Menschen dort auf die Beine stellen konnten, gerade weil die Mitglieder ihre Ressourcen miteinander teilen: Diverse Werkstätten, die alle Bewohner nutzen können; eine kleine Flotte an Elektroautos und E-Fahrrädern, eine Kita und eine Seniorenpflegestätte, und vieles mehr. Die Ausgaben pro BewohnerIn betragen durchschnittlich nur rund 1000 Euro pro Monat alles inklusive – und das bei einem Lebensstandard, der viel teurer wäre, wenn alle einzeln wohnen würden!

Es gibt auch Fälle, in denen ein Projekt bei oder nach der Einführung gemeinsamer Ökonomie gescheitert ist. Allgemein ging es dabei immer um mangelndes Vertrauen, denke ich. Es gibt z.B. ganz verschiedene Wertvorstellungen, oder Prioritäten, wofür Geld ausgegeben werden sollte; Menschen können sich unter Druck, beschämt oder ausgenutzt fühlen, wenn sie weniger oder mehr Geld „verdienen“ als andere – und es gibt sehr verschiedene Vorstellungen darüber, was „wertvolle“ Arbeit ist und was nicht.
Ich selbst möchte diesen Unterschied gar nicht mehr machen. Ich möchte Arbeit gar nicht mehr direkt mit Geld verbinden.

Bei zwei Besuchen bei der Kommune Lebensbogen habe ich erlebt, wie sich eine erfolgreiche gemeinsame Ökonomie anfühlen kann. Ich habe den Eindruck, dass diese Art zu leben eine große Entspannung mit sich bringen kann! Eine Bewohnerin drückte es etwa so aus: „Ich trage etwas bei für die Gemeinschaft, was für mich stimmig ist, und dafür bekomme ich pro forma ein Gehalt. Das sehe ich nie, weil es ja gleich aufs gemeinsame Konto geht. Und das ist ganz egal, weil ich kann darauf vertrauen, dass hier alle meine Bedürfnisse erfüllt werden. Und ich bekomme hier sogar viel mehr als das, was ich mir jemals leisten könnte, wenn ich alleine leben und wirtschaften würde!“
Klingt entspannt, oder?

Für den Fall dass du mehr erfahren möchtest: Viele Kommunen veranstalten Gasthelfer- und Kennenlernwochen für Interessenten. Wenn du außerhalb dieser Termine vorbeikommen möchtest, solltest du dich am besten ein paar Wochen vor deinem Besuch melden. Die nächsten Termine für die Interkommune-Seminare in Kassel findest du z.B. auf der Webseite von der Villa Locomuna.
Ansonsten kannst du im „Kommunebuch“ mehr über Kommunen erfahren: Hier ist die neue Ausgabe mit aktuellem Inhalt, und auch die alte Ausgabe finde ich sehr spannend, um nachzuvollziehen, in welchem politischen Kontext sich Kommunen entwickelt haben. Der Film „Die Kommune“ könnte auch sehenswert sein!

Auch eine ziemlich (r)evolutionäre Gemeinschaft in Wittenberg (die ich in diesem Beitrag vorstelle) lebt so etwas Ähnliches wie gemeinsame Ökonomie. Sie finanziert sich aus eigenen Gewerbebetrieben und durch Spenden. Alle Mitglieder arbeiten für und in der Gemeinschaft.  Die Einnahmen werden nicht an einzelne Mitglieder gezahlt, sondern auf Gemeinschaftskonten.
Das Geld wird für die Projekte der Gemeinschaft verwendet, sowie um den Mitgliedern freie Kost und Logis zu gewährleisten. Weiterhin erhält jedes Mitglied ein monatliches Taschengeld, mit dem individuelle Bedürfnisse abgedeckt werden und auch mal größere Einkäufe getätigt werden können, ohne vorher die Gemeinschaft zu fragen.
So leben die Mitglieder tauschlogikfrei – das heißt, der direkte Zusammenhang zwischen Arbeitsleistung und Geld fällt weg. (Mit der Ausnahme, dass ein paar Mitglieder gelegentlich extern arbeiten, um zusätzliches privates Einkommen zu erwirtschaften.)
Vom Gefühl her halte ich diesen Ansatz für sehr stimmig. Er enthält die Idee der gemeinsamen Ökonomie – und gleichzeitig fallen Diskussionen um individuelle Ausgaben weg.
Damit das wirklich klappt, erscheint es mir notwendig, dass alle Mitglieder ein gewisses „Commitment“ mitbringen, sich für die Ziele der Gemeinschaft aktiv einzusetzen und Aufgaben zu übernehmen – und nicht einfach nur ihr eigenes Ding zu machen.

Gleichberechtigung für die Elite?!

Interessant: In Kommunen (und auch vielen anderen Gemeinschaften) wohnen fast ausschließlich weiße, deutsch-muttersprachliche, akademisch gebildete Menschen. Also die Elite!

Das ist keine bewusste Absicht, denke ich: Der Anspruch in vielen Gemeinschaften ist es, jeden Menschen mit seinen individuellen Bedürfnissen, Eigenheiten und Fähigkeiten zu sehen und anzunehmen, so wie er ist.

Doch jetzt kommt ein Paradox: Für gemeinschaftliches Leben und Wirtschaften ist die Fähigkeit nötig, zu diskutieren, zu reflektieren, über Gefühle und Bedürfnisse zu sprechen, in Gruppen zu arbeiten und Entscheidungen im Konsens zu treffen – oder zumindest die echte Bereitschaft, das zu lernen und zu üben.

Und dieser hohe Anspruch an Kommunikationsfähigkeit und – bereitschaft schließt implizit große Teile der Bevölkerung aus! …obwohl das ursprünglich nicht beabsichtigt war.

Was denkt ihr, ist das der Hauptgrund? Oder seht ihr noch andere Gründe, warum „alternative“ Gemeinschaften hauptsächlich aus weißen Akademikern bestehen?

Vielleicht haben Menschen mit privilegiertem Hintergrund am meisten innere und äußere Freiheit, sich mit gemeinschaftlichen Lebensweisen zu befassen? Haben Menschen mit anderen Hintergründen andere Probleme? Oder sehen sie andere Lösungen zu den gleichen Problemen?

Ich weiß es nicht. Was meint ihr? Seht ihr da noch andere Aspekte?

Ich freue mich auf eure Rückmeldungen… gerne als Kommentar unter dem Blogartikel!

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Manuela Kuhar

Manuela Kuhar

Dies ist ein Blog rund um gesellschaftlichen Wandel und Transformation. Er richtet sich an Gemeinschaftssuchende und -Gründer,
an Menschen, die Alternativen zu Vereinsamung, Leistungs- und Konsumwahn suchen;
sowie alle, die mit Herz und Hand positiven Wandel bewirken wollen.

Zu meinem Hintergrund: Ich habe einige Jahre lang als (Wissenschafts-) Journalistin gearbeitet. Seit einigen Jahren habe ich mich von vielen Systemstrukturen unabhängig gemacht, erforsche insbesondere Gemeinschaften und Ökodörfer als Vorreiter eines neuen menschlichen Miteinanders, und tue das, was meinen Werten und Überzeugungen entspricht.

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9 Antworten

  1. Hallo Manuela!
    Danke fürs Teilen deiner Gedanken und Geschichten =)
    Zu deinen Fragen… tatsächlich schwer zu beantworten, sehe ich mich doch selbst als Teil dieser privilegierten Gesellschaft, weiß, in Zentraleuropa geboren, in eine Mittelschichtfamilie rein. Ich musste nie erleben, dass meine Existenz bedroht war. Vielleicht habe ich durch diese empfundene Sicherheit „Zeit“, um über (alternative) Lebenswege nachzudenken und diese auszuprobieren. Und ich hatte und habe den finanziellen und emotionalen Background, um manchen dieser Wege auch auszuprobieren. Wäre das nicht so… vielleicht läge mein Fokus so stark auf dem (Über-)Leben und eben das würde mir die Energie kosten, die ich so auf Gedankenspiele und das
    Ausprobieren verschiedener Lebensweise lenken kann. Wirklich interessant wäre es mit Personen, die nicht dieser privilegierten Gruppe angehören, zu sprechen und ihre Gedanken dazu zu erfahren =)

  2. Auch ich gehöre zu der priviligierten weissen Mittelschicht und träume schon mein ganzes Leben von Gemeinschaftsleben und habe viel ausprobiert..
    Zur Hausbesetzerzeit in den 80er Jahren in Berliner Zeiten gab es in den Häusern auch Menschen aus der sogenannten Unterschicht, auch Heimkinder und da das Leben damals für uns nicht materiell bestimmt war und wir mit sehr wenig Geld gelebt haben und manche in den Häusern auch kein Geld mitbrachten und diese Menschen haben teilweise sehr viel zu der ideellen Entwicklung und auch zu dem ganz praktischen Gemeinschaftsleben beigetragen. Was aus denen heute geworden ist, weiss ich leider nicht. Das wäre auch spannend da zu gucken, wo sind die alten Hausbesetzer geblieben… Ich weiss von vielen, die aus ner ähnlichen Situation wie ich kamen und denen z.B. auch bildungsmäßig alle Wege offen standen, sind ihren Träumen treu geblieben und gehen weiterhin alternative Wege. Auch Karriere machen spielte und spielt nun sowieso mit rund 60Jahren keine Rolle.Spannende Fragen, die du aufgreifst!!!

    1. Ja was du schreibst, ist auf jeden Fall ein spannender Punkt! Mit einigen ehemaligen Hausbesetzern hatte ich auch Kontakt… fragt sich, was könnten heutige Gemeinschaften von ihnen lernen? Was hat damals funktioniert, was nicht, was ist heute anders, und was lässt sich auf die heutige Situation übertragen?
      Hmm. Die Fragen notiere ich mal für zukünftige Recherchen 🙂
      Manuela

  3. Hallo Manuela,
    dein Artikel deckt sich mit meinen Erfahrungen und Beobachtungen.
    Ich, weißer, zugewanderter, gut verdienender Akademiker sehe mich nicht als Teil der Eliten in unserer Gesellschaft. Das wird mir auch nicht von Außen vermittelt. Vor vielen Jahren habe ich in meinem Herkunftsland in zwei Kommunen gelebt, die aus vielen Menschen ohne akademischen Hintergrund bestanden. Ich kann durchaus „diskutieren, reflektieren, über Gefühle und Bedürfnisse sprechen, in Gruppen arbeiten und Entscheidungen im Konsens treffen“. (Natürlich ist meine Ausdrucksfähigkeit nicht so gut wie die aller Muttersprachler.) Früher empfand ich die ethnische Homogenität als selbstverständlich. Heute würde ich ausschließlich in einer ethnisch heterogenen Gemeinschaft leben wollen. In gemischten Gruppen gibt es nur wenige fleischgewordene Paradigmen, die unbewusst bleiben und automatisch reproduziert werden. Auf lange Sicht würde mich die (mit Sicherheit ungewollte) Einseitigkeit der Denkmuster der Teilnehmer ohne mehrjährige Auslandserfahrung ermüden und irritieren.
    Schauen wir auf unsere bürgerliche Welt. Hier gibt es Menschen, die seit vielen Generationen in Deutschland leben. Diese Menschen sind fast ausschließlich befreundet (eng) mit Personnen, die ebenfalls schon sehr lange hier leben oder mit solchen, die im frühkindlichen Alter zugewandert sind. Das hat mehrere Gründe. Teilweise war es jahrzehntelang politisch erwünscht. Weshalb sollte sich ein Individuum mit Erfahrungen aus zwei Systemen in einer Ein-System-Kommune wohlfühlen? Weshalb sollte eine homogene Kommune, die damit schwer beschäftigt ist, einige tief verwurzelte Muster zu erkennen und verändern, sich mit noch mehr emotinalen und kognitiven (für die Mehrheit nicht nachvollziehbaren) Veränderungen belasten? Ich denke, wir als Gesellschaft sind noch lange nicht so weit…
    Zudem beobachte ich, dass viele Migrantengruppen keine neu erschaffene Gemeinschaft benötigen, weil ihre Familien mit ihren spezifischen familiären Spielregeln, all ihre Sehnsüchte nach einer Gemeinschaft dauerhaft und zuverlässig erfüllen. Sie haben bereits ihren Stamm.

    1. Hallo Julian,
      ja spannend, was du schreibst, das bringt nochmal neue Aspekte ins Spiel. Dass einige Migrantengruppen „bereits ihren Stamm haben“, im Gegensatz zu der extrem vereinzelten deutschen Gesellschaft, beobachte ich auch.
      Und ich denke, selbst wenn „weiße“ Menschen noch so wohlmeinend und antirassistisch sind und vermeintlich „Hautfarbe nicht sehen“ – da spielen tiefe unbewusste Mechanismen eine Rolle… hier ist eine spannende Zusammenfassung, was die „white supremacy culture“ ausmacht.

      Du schreibst „Heute würde ich ausschließlich in einer ethnisch heterogenen Gemeinschaft leben wollen. In gemischten Gruppen gibt es nur wenige fleischgewordene Paradigmen, die unbewusst bleiben und automatisch reproduziert werden.“
      Hmm. Ist letzteres deine Erfahrung? Diese würden mich interessieren. Ich könnte mir vorstellen, dass *gerade * in gemischten Gruppen alte Paradigmen hochkommen und für Konflikte sorgen können. Naja, wenn die Gruppe sich gemeinsam verpflichtet, diese auch zu lösen, kann das ja sehr heilend sein!

      Viele Grüße,
      Manuela

  4. Kennst ihr das UBUNTU- Prinzip? Michael Tellinger hat über diese Gemeinschaft sein gleichnamiges wunderbares Buch geschrieben. Und UBUNTU stammt NICHT von Weißen, sondern kommt aus einem afrikanischen Ureinwohnerstamm. Also würde ich nicht behaupten, daß Selbstreflexion, konstruktive Diskussion, etc. eine Frage der europäischen Herkunft, Bildungsgrad o.ä. ist. Ich vermute, daß diese Fähigkeiten eng mit erlebten Traumata, oder übergriffigen Situationen im Kindes- oder Jugendalter im Zusammenhang stehen. Die meisten Menschen auf dieser Erde haben traumatische Programmierungen, und können daher weder sich selbst noch andere lieben bzw. ihnen vertrauen.

    1. Danke für den Beitrag! Stimmt, die Herkunft und Bildung sind gar nicht der Punkt, um den es wirklich geht – das sehe ich ebenso.
      Alte Traumata sind auf jeden Fall ein Grund, dass es uns so schwer fällt, mit Menschen zusammenzuwirken, die anders „ticken“ und kommunizieren. Wir lernen in der Kindheit nicht, unsere eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu spüren und auszudrücken, oder empathisch mit anderen zu sein, oder andere einfach sein zu lassen wie sie sind. Das macht gemeinschaftliches Leben für viele sehr schwierig – und gleichzeitig sehe ich darin auch ein großes Heilungspotential 🙂

  5. Hallo Manuela

    Ich verfolge das Kommunen-Leben gezielt auf youtube schon eine ganze weile. Seit dem ich den Beitrag über die Kommune in Niederkaufungen mir angeschaut habe, bin ich begeistert darüber. Warum beschreibe ich gleich noch.
    Ich schaue mir sehr oft diesen Beitrag an.
    Menschen die zusammen was machen.
    Eine Gemeinschaft.
    Der Druck zum (Über-) Leben scheint geringer zu sein als in dieser Welt des Einzelkämpfers.
    Ich finde sowas auch gut und würde mich auch anschließen wollen, aber so wie ich das gelesen habe sucht ihr die Jahrgänge zwischen 25 -45 und das bin ich leider nicht.
    Ich bin 51 und habe keine Lust mehr auf meine Umwelt die mich umgibt.
    Ich suche die Gemeinschaft. Auf dem Feld werden dort noch Leute gebraucht, im freien zu sein das ist gut.
    Mit Menschen zu reden ohne Angst zu haben auf Verlust von Arbeitsplatz oder sozialem Ansehen.

    LG Lars

  6. Hallo Manuela,
    auch ich bin geradeauf der Suche nach einer „Kommune“ und stoße dabei auf zwei Probleme. Zum Einen mein Alter. Das erste Mal wurde ich vor 30 Jahren auf die Gemeinschaftsbewegung aufmerksam, traute mir aber den Schritt in eine Gemeinschaft nicht zu, weil ich handwerklich unbegabt bin und nicht wusste, wo ich mich da nützlich machen könnte. Andereseits war ich damals in der Umweltbewegung aktiv und sah meine Aufgabe eben vor allem dort. So habe ich mitgewirkt an der Verhinderung eines Bombenabwurfplatzes, des Transrapid und neuer Braunkohletagebaue, zum Beispiel. Und nun, kurz vor der Rente, meinte ich, jetzt mal auf die andere Seite treten zu können und noch etwas mit aufzubauen statt immer nur Widerstand zu leisten – aber endlich auch ohne den Druck, noch Geld verdienen zu müssen, sondern ganz einfach da noch etwas helfen zu können, wo gerade wer gebraucht wird, der dafür nichts erwarten muss – ausser Dazugehören zu dürfen. Und das wurde mir bereits deimal verwehrt: Ich sei zu alt! Das ist das Eine. Andererseits aber habe ich etwas mit MIgrantInnen gemein: Ich bin ursprünglich nicht im rheinischen Kapitalismus sozialisiert worden, sondern lebte die erste Hälfte meines bisherigen Lebens in der DDR, erst als Christ und dann als Freigeist, der zwar studiert hatte, aber eben nicht Karierre im Sinn hatte. Und als solcher fühle ich mich heute unwohl, wenn ich allein unter Wessis bin, die ganz andere Erfahrungen haben, über Dinge Bescheid wissen, die wir in der DDR nicht mitbekamen oder nur übers West-TV gefiltert (wobei ich zehn Jahre kein West-TV empfangen konnte – reichte nicht bis Dresden bzw. in die Kaserne). Ich kann das gar nicht mal direkt beschreiben – aber ich brauche Leute um mich, die als Ex-Ossis auch begreifen, was ich an bestimmten Punkten empfinde oder äussere, weil sie ähnliche Erfahrungen haben, was aber Westler nicht begreifen können. Mit dem Erleben zweier unterschiedlicher Systeme vergleicht man Vieles, findet plötzlich Parallelen und vielleicht auch mal Wege, auf die andere nicht kommen (können). Wenn es diese Differenz aber schon unter „Deutschstämmigen“ gibt – wieviel schwerer muss das Menschen erscheinen, die von ganz woanders her kommen.
    Andererseits: Nach 1995 Geborenen wird dies kaum noch ein Problem sein, und genauso könnten auch Menschen mit Migrationshintergrund der 2., 3. oder 4. Generation eines Tages vor der Tür stehen – oder aber sie gründen eigene Gemeinschaften…

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