Leben in Gemeinschaft: Warum & was bringt’s?

Share on facebook
Share on whatsapp
Ein Jahr Gemeinschafts-Forschungs-Reise: Was habe ich gelernt? Und was tragen Lebensgemeinschaften zum sozial-ökologischen Wandel bei?
zusammenhalt

Hallo ihr Lieben,

jetzt habt ihr schon eine ganze Weile nichts von mir gehört! Ich bin vor wenigen Tagen (November 2019) in meinem Winterquartier angekommen – einer Wohnung in der Nähe von Halle und Leipzig. Hier habe ich nun Zeit, ein (Zwischen-) Fazit zu ziehen: Was hat das einjährige Nomadenleben gebracht?

Ein Jahr Gemeinschafts-Forschungs-Reise: Warum eigentlich?

Nun denn… Ende 2018 bin ich losgezogen, größtenteils weil ich keine Lust mehr hatte, alles im Leben alleine zu schaffen: Alleine wohnen, alleine in einem Büro sitzen, alleine selbständig arbeiten… das kann nicht gesund sein! Und in mir bewegt sich seit Jahren der Wunsch, etwas zu gestalten, was die Welt ein wenig schöner hinterlässt – und das geht eindeutig besser gemeinsam als allein…

Also bin ich mit großer Neugier losgezogen und wollte vieles herausfinden:

  • Was sind Probleme und Vorteile gemeinschaftlichen Lebens?
  • Was für Arten von Gemeinschaften gibt es überhaupt, wie möchte ich leben, wie komme ich in Gemeinschaft zurecht?
  • Wie kann man in größeren Gruppen wertschätzend und gleichzeitig effizient kommunizieren und Entscheidungen treffen? Wie gehen Gemeinschaften mit Konflikten um?
  • Und insbesondere treibt mich die Frage: Was kann die Rolle und der Beitrag von Gemeinschaften sein? Was tragen Gemeinschaften zur positiven Veränderung bei – gesellschaftlich und ökologisch, sowie persönlich und spirituell?

Was habe ich gelernt?

Ich habe in diesem Jahr 10 Gemeinschaften besucht, und darunter war keine, der ich mich vollen Herzens anschließen möchte… aber das macht nichts, denn ich habe auch so unglaublich viel gelernt. Ich habe mit dem heutigen Geldsystem beschäftigt und mit Alternativen dazu, mit der Geschichte des Patriarchats, mit gewaltfreier Kommunikation, Entscheidungsprozessen und Gruppenmoderation… und vieles mehr. Ich habe auch einiges über Ernährung gelernt, und statt mir Chemie auf Haut und Haare und in den Mund und in die Wohnung zu schmieren, mache ich nun Haarwaschmittel, Zahnpasta und Putzmittel einfach selber… schnell und billig, ökologisch und gesundheitsförderlich. Und so weiter!

Auch auf ganz persönlicher Ebene hat sich viel getan.

Geduld steht ganz oben auf der Liste: Ich bin geduldiger mit mir selbst und mit anderen geworden. Ich stelle weniger Erwartungen, wie andere Menschen sich (mir gegenüber oder allgemein) bitteschön verhalten sollen. Das entspannt das ganze Leben sehr! Und es führt dazu, dass ich viel besser mit anderen in Kontakt komme.
Ich esse langsamer, spreche langsamer und deutlicher, meine Körpersprache hat sich beruhigt. Das führt zum Beispiel dazu, dass ich meinen Körper und meine Intuition immer deutlicher spüre.
Meine Empathiefähigkeit und Mitgefühl hat sich ausgeweitet – gegenüber mir selbst und anderen.
All das führt zu mehr Wohlbefinden im Körper und mehr Selbstvertrauen.
Und ich bin so gut wie ganz aus der Depression rausgekommen!

Im Ernst – das Jahr war für mich ein Dauer-Coaching… Wie muss es erst sein, wenn man für längere Zeit in Gemeinschaft lebt?

Was „bringen“ Gemeinschaften für Menschen – und für die Erde als Ganzes?

Warum sollte sich jemand darauf einlassen, mit Leuten zusammen zu leben, die vielleicht ganz andere Vorstellungen von Hygiene oder Privatsphäre haben? Warum sollte man sich im Alltag mit anderen absprechen und sich in Teamwork üben, wenn man doch einfach sein eigenes Ding machen kann?

Hier sind ein paar Gründe, warum sich gemeinschaftliche Leben lohnt – dazu könnte man noch viel mehr schreiben… also:

In Gemeinschaft kann man viele Ressourcen teilen und Fähigkeiten bündeln,
…was dazu führt, dass man viel mehr zusammen schaffen kann, als jede/r Einzelne es könnte,
…was bedeutet, dass die Bewohner (optimalerweise) weniger Geld brauchen, und daher auch weniger Zeit mit Geldbeschaffungsmaßnahmen verbringen müssen,
…und so können die Bewohner mehr Zeit haben für das, was ihnen Freude macht und wichtig ist – z.B. für soziale, ökologische oder andere Projekte, die die Welt schöner machen. (Nun gut, das ist in der Praxis oft dann doch nicht so; insbesondere in der Aufbauphase von Gemeinschaftsprojekten gibt es meist sehr viel Arbeit für die Beteiligten! Doch es kann ein Ziel sein…)

Weiterhin kann das Leben in Gemeinschaft ein Paradies für Kinder sein und Eltern entlasten. Denn Kinder können sich frei bewegen und mehrere erwachsene Ansprechpartner haben, und Eltern müssen nicht ständig verfügbar sein oder für Betreuung bezahlen.

In Gemeinschaft kann man Lebensweisen ausprobieren, die für Mensch und Natur gesund sind… zumindest deutlich gesünder als das, was das sogenannte „zivilisierte“ Leben bietet.
Und viele Gemeinschaften sehen sich als Experimentierfelder für ein wertschätzendes Miteinander, das die Fähigkeiten und Bedürfnisse jedes Einzelnen respektiert.

Womit wir zurück zu der Frage kommen, was der gesellschaftliche Beitrag von Lebensgemeinschaften sein kann – gerade in der Krise, in der die Welt gerade steckt.
Natürlich braucht es viele Lösungsansätze, auch auf einer größeren politischen und wirtschaftlichen Ebene, um die nötige Veränderung zu bewirken. Und gleichzeitig denke ich, dass Lebensgemeinschaften eine ganz wichtige Rolle in diesem Prozess spielen können – indem sie als „Samen“ dienen, und aus denen zukünftige Lebensformen wachsen können, die mehr im Einklang mit den Bedürfnissen von Mensch und Natur sind.

Wie seht ihr das?

Ich freue mich über Rückmeldungen und konstruktive Kritik, Ergänzungen und Fragen! Schreibt sie gerne in die Kommentare 🙂

Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, teile ihn gerne!
Auch Fragen und Anmerkungen sind herzlich willkommen -
in den Kommentaren, per Mail oder Facebook.

Herzensgrüße,
Manuela
Share on facebook
Share on whatsapp
Manuela Kuhar

Manuela Kuhar

Seit November 2018 besuche ich Ökodörfer und andere "alternative" Lebensgemeinschaften.
Dies ist ein Blog für Gemeinschafts-Suchende und -Gründer,
für Menschen, die Alternativen zu Vereinsamung, Leistungs- und Konsumwahn suchen,
sowie alle, die mit Herz und Hand positiven Wandel bewirken wollen…

Du kannst diesen Blog unterstützen! 

Jede Spende hilft, diese Webseite zu einer hilfreichen Plattform auszubauen, wo Gemeinschafts-Suchende und Gründer Informationen und Erfahrungsberichte finden und teilen :-)
Ganz vielen Dank!

6 Kommentare

  • Danke Manuela. Das berührt mich gerade sehr, weil ich nach solch einer Lebensform suche. Ich ziehe mich immer mehr zurück in die Einsamkeit, mache alles alleine, der Konsum, das Weltgeschehen, die Umwelt, das Klima, das Artensterben, der Verpackungsmüll, die Werbung, der ganze Trubel um Weihnachten, dann Karneval, dann Ostern, dann….. ich bin depressiv, und verschlechterte meinen Zustand, indem ich mich mehr und mehr zurückziehe.

    Toll, wie du schreibst, ehrlich und super nachvollziehbar für mich. Ich bin 55 Jahre, und hätte gerne diese Energie, mir solche Gemeinschaften anzusehen und befürchte auch, dass es nirgends meins gibt. Ich denke, ich wage jetzt den Schritt, mich erstmal nach einer Hausgemeinschaft umzusehen und den Wohnort zu verlassen, der mich niederdrückt.

    Danke für deine Veröffentlichung und Echtheit. Ich würde so gerne am Ball bleiben

    Liebe Grüße
    Andrea

    Antworten
  • ich habe gleiche erfahrungen mit gemeinschaften gemacht. keiner moechte ich mich anschliessen aber der besuch dort war intressant und ich konnte viel lernen. ein grosses fazit fuer mich war leider, dass keiner der gemeinschaften so richtig,idealerweise funktioniert. sehr oft kamen mir die leute in den alternativen gemeinschaften und deren probleme untereinander wie die groessten spiesser ueberhaupt vor. sorry das sagen zu muessen. darueberhinaus funktioniert das leben in der gemeinschaft nie so wie es nach aussen dargestellt wird. ich fand es eher immer anstrengend. aber weigstens versuchen es die leute und ist immer noch besser in einer stino standard gesellschaft zu leben. einzelne projekte im projekt haben mir oefters gut gefallen. ich muss dazu sagen das ich weltweit communitys besucht habe und nicht nur in deutschland. ehrluch gesagt.. in deutschland habe ich die schlimmsten erfahrungen gesammelt..bzw. mich hat keine der besuchten communitys angesprochen dort zu leben. aber naja… wiegesagt.. zumindest gibt es alternativen und die leute versuchen etwas auf die beine zu stellen.

    Antworten
    • Hallo Hubert,

      ja spannend, was du erzählst. Ich mag mal einen Punkt herausgreifen:
      „Keine der Gemeinschaften hat so richtig idealerweise funktioniert“.

      Das ist wahr, es gibt keine ideale Gemeinschaft. Und wie könnte es auch? Wir im „zivilisierten“ Europa haben nicht gelernt, gemeinschaftlich zu leben. Stattdessen haben wir Konkurrenz und Neid, Vergleiche und Leistungswahn gelernt. Und wir leben auf eine Art und Weise, die uns vom Babyalter an zutiefst traumatisiert, und die der Natur komplett widerspricht.

      Und dann versuchen Menschen, unter diesen Voraussetzungen trotzdem gemeinschaftlich zu leben! Was für ein Abenteuer! Das erfordert die Bereitschaft, sich selbst in Frage zu stellen – also eigene Erwartungen und Gewohnheiten und Glaubenssätze aufzugeben. In Gemeinschaft ist es nötig, sich damit zu entspannen, dass andere Menschen anders sein dürfen. Gemeinschaft ermöglicht tiefe Heilung; sie fordert uns heraus, uns ganz echt zu zeigen, und tief im Inneren gesund zu werden. Und das kann harte Arbeit an sich selbst bedeuten.

      Und das kann sich auch mal anstrengend anfühlen, wie du ja schriebst… oder auch mal „spießig“, gerade wenn Menschen in Gemeinschaft dann doch nicht bereit sind, sich ihren persönlichen Themen zu stellen.

      Aber hey, was erwarten wir denn? Die „zivilisierte“ Welt hat ein paar Tausend Jahre Patriarchat/Dominanzsystem hinter sich, und wir leben immer noch voll darin, auch wenn es sich noch so demokratisch nach außen darstellt. Und wenn wir nun zurück zum gemeinschaftlichen Leben wollen, werden wir bei den ersten ungeschickten Schritten stolpern. Das ist ok, da dürfen wir Mitgefühl mit uns selber und anderen haben! Üben, üben, üben – es kann sich nur lohnen.

      Viele Grüße,
      Manuela

      Antworten
  • Liebe Manuela,
    spannend deinen Beitrag zu lesen. Ich bin schon im Rentenalter, aber all die Themen, die Du angesprochen hast, sind auch für mich noch von Bedeutung, d.h. sie werden immer bedeutungsvoller je älter ich werde.
    Ich würde gern von dir wissen, warum keine der Wohnformen für dich in Frage kam. Lag es an den Menschen, lag es am Konzept?
    Wir suchen auch nach alternativen Wohnformen und setzen uns im Vorfeld damit auseinander wie gleich oder ungleich die anderen sein sollten. Gerald Hüther ist der, der uns Mut macht, aber die wenigsten kennen ihn. Dabei sollten seine Erkenntnisse zum Basiswissen gehören.
    Passend dazu dein Leitmotiv:“ Ressourcen teilen und Fähigkeiten bündeln.“
    Vielleicht kennst Du Menschen, die ebenfalls interessiert sind und sich mit uns in Verbindung setzten möchten.
    Deine Seite finde ich toll und bin der Meinung, daraus sollte etwas Größeres entstehen.
    Ganz liebe Grüße
    Angelika

    Antworten
    • Hallo Angelika,

      danke für das Feedback und ja, ich bin dabei, einen Podcast zu planen und zu überlegen, wie die Seite wachsen kann 🙂

      Ihr sucht Menschen, die… an was genau interessiert sind? Wenn ihr Menschen sucht, die mit euch eine Gemeinschaft gründen wollen oder wenn ihr in eine Gemeinschaft einsteigen möchtet – schaut gerne mal in diesen Blogartikel, da habe ich Ideen für diese Suche zusammengetragen: https://beruehrungs-punkte.info/wie-findet-man-alternative-lebensgemeinschaften/

      Gerald Hüther…
      also es gibt einige Gemeinschaften, wo eine freie Schule in der Nähe ist (wo die Schüler so frei lernen können, wie es eben in Deutschland möglich ist), zum Beispiel den Windberg, oder der Lebensgarten Steyerberg. Falls ihr euch darauf bezieht.

      Woran es lag, dass ich zu keiner der Gemeinschaften voll „ja“ sagen wollte? Das kann man nicht pauschal sagen. Mal fand ich zu den Menschen keine Resonanz, mal lag es am Wohnumfeld, mal an zuviel Chaos, mal an zuviel oder undurchsichtiger Hierarchie, mal an zuviel Erwartungen was den Arbeitseinsatz für die Gemeinschaft angeht, die eine war viel zu abgelegen, mal waren es undurchsichtige Eigentumsverhältnisse, mal dies mal das. Jede Gemeinschaft ist einzigartig. Jetzt ist mir schon mal klarer, welche von meinen „Ansprüchen“ in Gemeinschaft erfüllt werden können und welche nicht, was ich wirklich brauche und was nur ein nettes Extra wäre… und so kann ich mich demnächst mehr fokussieren.

      Viele Grüße!
      Manuela

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Dich auch interessieren:

Kommunen: Leben in der Utopie?

Was ist eine Kommune? Sind alle Kommunen politisch? Wie kann gemeinsame Ökonomie funktionieren, und wieso sind viele Kommunen unfreiwillig elitär? Darum geht es in diesem Beitrag…

Möchtest du mit reisen – per Email?

Du bekommst 1-2x pro Monat eine Email mit Erfahrungsberichten, Tipps und Inspirationen aus verschiedenen Gemeinschaften. 

Du kannst dich jederzeit aus dem Newsletter austragen.
Ansonsten gilt die Datenschutzerklärung.