Leben in Gemeinschaft: Warum & was bringt’s?

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Ein Jahr Gemeinschafts-Forschungs-Reise: Was habe ich gelernt? Und was tragen Lebensgemeinschaften zum sozial-ökologischen Wandel bei?
zusammenhalt

Hallo ihr Lieben,

nach gut einem Jahr Gemeinschafts-Forschungs-Reise verbringe ich nun den Winter in einer ganz normalen Wohnung in der Nähe von Halle und Leipzig. Hier habe ich nun Zeit, ein (Zwischen-) Fazit zu ziehen: Was hat das einjährige Nomadenleben gebracht?

Ein Jahr Gemeinschafts-Forschungs-Reise: Warum eigentlich?

Nun denn… Ende 2018 bin ich losgezogen, größtenteils weil ich keine Lust mehr hatte, alles im Leben alleine zu schaffen: Alleine wohnen, alleine in einem Büro sitzen, alleine selbständig arbeiten… das kann nicht gesund sein! Und in mir bewegt sich seit Jahren der Wunsch, etwas zu gestalten, was die Welt ein wenig schöner hinterlässt – und das geht eindeutig besser gemeinsam als allein…

Also bin ich mit großer Neugier losgezogen und wollte vieles herausfinden:

  • Was sind Probleme und Vorteile gemeinschaftlichen Lebens?
  • Was für Arten von Gemeinschaften gibt es überhaupt, wie möchte ich leben, wie komme ich in Gemeinschaft zurecht?
  • Wie kann man in größeren Gruppen wertschätzend und gleichzeitig effizient kommunizieren und Entscheidungen treffen? Wie gehen Gemeinschaften mit Konflikten um?
  • Und insbesondere treibt mich die Frage: Was kann die Rolle und der Beitrag von Gemeinschaften sein? Was tragen Gemeinschaften zur positiven Veränderung bei – gesellschaftlich und ökologisch, sowie persönlich und spirituell?

Was habe ich gelernt?

Ich habe in diesem Jahr 10 Gemeinschaften besucht, und darunter war keine, der ich mich vollen Herzens anschließen möchte… aber das macht nichts, denn ich habe auch so unglaublich viel gelernt. Ich habe mit dem heutigen Geldsystem beschäftigt und mit Alternativen dazu, mit der Geschichte des Patriarchats, mit gewaltfreier Kommunikation, Entscheidungsprozessen und Gruppenmoderation… und vieles mehr. Ich habe auch einiges über Ernährung gelernt, und statt mir Chemie auf Haut und Haare und in den Mund und in die Wohnung zu schmieren, mache ich nun Haarwaschmittel, Zahnpasta und Putzmittel einfach selber… schnell und billig, ökologisch und gesundheitsförderlich. Und so weiter!

Auch auf ganz persönlicher Ebene hat sich viel getan.

Geduld steht ganz oben auf der Liste: Ich bin geduldiger mit mir selbst und mit anderen geworden. Ich stelle weniger Erwartungen, wie andere Menschen sich (mir gegenüber oder allgemein) bitteschön verhalten sollen. Das entspannt das ganze Leben sehr! Und es führt dazu, dass ich viel besser mit anderen in Kontakt komme.
Ich esse langsamer, spreche langsamer und deutlicher, meine Körpersprache hat sich beruhigt. Das führt zum Beispiel dazu, dass ich meinen Körper und meine Intuition immer deutlicher spüre.
Meine Empathiefähigkeit und Mitgefühl hat sich ausgeweitet – gegenüber mir selbst und anderen.
All das führt zu mehr Wohlbefinden im Körper und mehr Selbstvertrauen.
Und ich bin so gut wie ganz aus der Depression rausgekommen!

Im Ernst – das Jahr war für mich ein Dauer-Coaching… Wie muss es erst sein, wenn man für längere Zeit in Gemeinschaft lebt?

Was „bringen“ Gemeinschaften für Menschen – und für die Erde als Ganzes?

Warum sollte sich jemand darauf einlassen, mit Leuten zusammen zu leben, die vielleicht ganz andere Vorstellungen von Hygiene oder Privatsphäre haben? Warum sollte man sich im Alltag mit anderen absprechen und sich in Teamwork üben, wenn man doch einfach sein eigenes Ding machen kann?

Hier sind ein paar Gründe, warum sich gemeinschaftliches Leben lohnt – dazu könnte man noch viel mehr schreiben… also:

In Gemeinschaft kann man viele Ressourcen teilen und Fähigkeiten bündeln,
…was dazu führt, dass man viel mehr zusammen schaffen kann, als jede/r Einzelne es könnte,
…was bedeutet, dass die Bewohner (optimalerweise) weniger Geld brauchen, und daher auch weniger Zeit mit Geldbeschaffungsmaßnahmen verbringen müssen,
…und so können die Bewohner mehr Zeit haben für das, was ihnen Freude macht und wichtig ist – insbesondere für soziale, ökologische oder andere Projekte, die die Welt schöner machen.

Weiterhin kann das Leben in Gemeinschaft ein Paradies für Kinder sein und Eltern entlasten. Denn Kinder können sich frei bewegen und mehrere erwachsene Ansprechpartner haben, und Eltern müssen nicht ständig verfügbar sein oder für Betreuung bezahlen.

In Gemeinschaft kann man Lebensweisen ausprobieren, die für Mensch und Natur gesund sind… zumindest deutlich gesünder als das, was das sogenannte „zivilisierte“ Leben bietet.
Und viele Gemeinschaften sehen sich als Experimentierfelder für ein wertschätzendes Miteinander, das die Fähigkeiten und Bedürfnisse jedes Einzelnen respektiert.

Womit wir zurück zu der Frage kommen, was der gesellschaftliche Beitrag von Lebensgemeinschaften sein kann – gerade in der Krise, in der die Welt gerade steckt.
Natürlich braucht es viele Lösungsansätze, auch auf einer größeren politischen und wirtschaftlichen Ebene, um die nötige Veränderung zu bewirken. Und gleichzeitig denke ich, dass Lebensgemeinschaften eine ganz wichtige Rolle in diesem Prozess spielen können – indem sie als „Samen“ dienen, und aus denen zukünftige Lebensformen wachsen können, die mehr im Einklang mit den Bedürfnissen von Mensch und Natur sind.

Wie seht ihr das?

Ich freue mich über Rückmeldungen und konstruktive Kritik, Ergänzungen und Fragen! Schreibt sie gerne in die Kommentare 🙂

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Auch Fragen und Anmerkungen sind herzlich willkommen -
in den Kommentaren, per Mail oder Facebook.

Herzensgrüße,
Manuela
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Manuela Kuhar

Manuela Kuhar

Seit November 2018 besuche ich Ökodörfer und andere "alternative" Lebensgemeinschaften.
Dies ist ein Blog für Gemeinschafts-Suchende und -Gründer,
für Menschen, die Alternativen zu Vereinsamung, Leistungs- und Konsumwahn suchen,
sowie alle, die mit Herz und Hand positiven Wandel bewirken wollen…

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Andrea Derksen

Danke Manuela. Das berührt mich gerade sehr, weil ich nach solch einer Lebensform suche. Ich ziehe mich immer mehr zurück in die Einsamkeit, mache alles alleine, der Konsum, das Weltgeschehen, die Umwelt, das Klima, das Artensterben, der Verpackungsmüll, die Werbung, der ganze Trubel um Weihnachten, dann Karneval, dann Ostern, dann….. ich bin depressiv, und verschlechterte meinen Zustand, indem ich mich mehr und mehr zurückziehe. Toll, wie du schreibst, ehrlich und super nachvollziehbar für mich. Ich bin 55 Jahre, und hätte gerne diese Energie, mir solche Gemeinschaften anzusehen und befürchte auch, dass es nirgends meins gibt. Ich denke, ich wage jetzt… Weiterlesen »

hubert

ich habe gleiche erfahrungen mit gemeinschaften gemacht. keiner moechte ich mich anschliessen aber der besuch dort war intressant und ich konnte viel lernen. ein grosses fazit fuer mich war leider, dass keiner der gemeinschaften so richtig,idealerweise funktioniert. sehr oft kamen mir die leute in den alternativen gemeinschaften und deren probleme untereinander wie die groessten spiesser ueberhaupt vor. sorry das sagen zu muessen. darueberhinaus funktioniert das leben in der gemeinschaft nie so wie es nach aussen dargestellt wird. ich fand es eher immer anstrengend. aber weigstens versuchen es die leute und ist immer noch besser in einer stino standard gesellschaft zu… Weiterlesen »

Angelika Kremser

Liebe Manuela, spannend deinen Beitrag zu lesen. Ich bin schon im Rentenalter, aber all die Themen, die Du angesprochen hast, sind auch für mich noch von Bedeutung, d.h. sie werden immer bedeutungsvoller je älter ich werde. Ich würde gern von dir wissen, warum keine der Wohnformen für dich in Frage kam. Lag es an den Menschen, lag es am Konzept? Wir suchen auch nach alternativen Wohnformen und setzen uns im Vorfeld damit auseinander wie gleich oder ungleich die anderen sein sollten. Gerald Hüther ist der, der uns Mut macht, aber die wenigsten kennen ihn. Dabei sollten seine Erkenntnisse zum Basiswissen… Weiterlesen »

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