Maibach, Lebensgarten und Kommunikationsprobleme

Share on facebook
Share on whatsapp
Besuch in der Maibacher Schweiz im Taunus, und im Lebensgarten Steyerberg - wohl derzeit die älteste "alternative" Lebensgemeinschaft in Deutschland.
zusammenhalt

25.1.19 – 8.2.2019: Maibacher Schweiz

Ab Ende Januar war ich für ca. 2 Wochen in der Maibacher Schweiz zu Besuch, in einem Ortsteil von Butzbach, in Hessen. Dort war ich bereits über Silvester beim Gemeinschaften-Festival gewesen – da hatten sich um die 60 Menschen getroffen, die entweder schon in einer Gemeinschaft wohnen, oder sich einer Gemeinschaft anschließen möchten, oder eine neue gründen wollen. Das war sehr schön!

Es gibt mehrmals im Jahr Gemeinschaften-Festivals, unter anderem zu Ostern und Pfingsten  hier stehen die Termine. 

Die Maibacher Schweiz wurde vor ca. 15 Jahren in einem ehemaligen Hotel gegründet. Nun wohnen hier ungefähr 14 Erwachsene…je nachdem wen man mitzählt… und so etwa 5 Kinder und Jugendliche, wenn ich mich recht entsinne 😉

Das Ganze fühlt sich für mich an wie eine lockere WG plus Seminarbetrieb. Die Bewohner haben viel Raum, „ihr eigenes Ding zu machen“ und praktizieren ganz verschiedene spirituelle Wege.

Der Ort eignet sich wunderbar, um sich dort einige Zeit aufzuhalten – z.B. auch als „Working Guest“ (also Wohnen gegen Mithilfe) und interessante Kontakte zu knüpfen: Einer der Bewohner hat zum Beispiel mehrere Jahrzehnte seines Lebens damit verbracht, beim Aufbau von ganz verschiedenen „alternativen“ Gemeinschaften mitzuwirken… mehrere Bewohner befassen sich intensiv mit Ayurveda und diversen Heilmethoden… und so weiter. Und es finden auch immer wieder mal Seminare hier statt.

Sehr schön gestaltet ist die Lobby im Eingangsbereich: Über einem Esstisch und Sofas hängt ein stabiles Netz in ungefähr 2,5 Metern Höhe. Man kann über eine Leiter in das Netz klettern – da oben ist ein beliebter Spielplatz für Kinder und Erwachsene 😀

8.2.19 – 15.3.19: Lebensgarten Steyerberg

Diesen Blogbeitrag schreibe ich aus dem Lebensgarten Steyerberg – westlich von Hannover. Der Lebensgarten wurde 1985 in Anlehnung an die Vision der Findhorn-Gemeinschaft in Schottland gegründet. Somit ist der Lebensgarten wohl eines der das ältesten „alternativen“ Gemeinschaftsprojekte in Deutschland, die es derzeit gibt – ZEGG, Tempelhof, Schönsee und andere große Projekte kamen zumindest danach.

Heute leben hier ca. 80 Frauen, 40 Männer und viele Kinder, in einer kleinen Siedlung etwas außerhalb vom eigentlichen Dorf Steyerberg – und im Umkreis noch viele Menschen, die sich dem Lebensgarten verbunden fühlen. Es gibt einen Waldkindergarten, einen Seminar- und Gästebetrieb, einen großen Permakulturpark, das größte Ausbildungsinstitut für Mediation in Deutschland… und toll finde ich den Zen-Tempel mitten im Wald, in dem z.B. auch Permakultur- und Wildnisausbildungen stattfinden. Der erste Eindruck: Ein sehr lebendiger Ort, der sich derzeit stark im Umbruch befindet, der für eine große Bandbreite an verschiedenen Menschen geeignet ist und wo man sich auf vielfältige Weise einbringen kann.

Kommunika-was?

Das Thema Kommunikation, bzw der Mangel an Kommunikation, begegnet mir derzeit immer wieder. Es gibt so vieles, über das einfach nicht geredet wird: Sex, Geld, eigene Bedürfnisse, Gefühle, Ängste… Doch wenn Gefühle und Bedürfnisse unter den Teppich gekehrt werden, brechen sie sich irgendwann anders Bahn – dann leider meist unbewusst, zerstörerisch und geprägt von Angst und Gewalt, sich selbst und anderen gegenüber.

Es muss ja auch anders gehen! Um das zu üben, habe ich im Lebensgarten einen Workshop über gewaltfreie Kommunikation belegt. Das war sehr inspirierend – ich finde, es lohnt sich, sich damit zu befassen 🙂

Dabei lernt man nicht bloß Floskeln auswendig, sondern der ganze Prozess dient vor allem dazu, Mitgefühl und Empathie zu entwickeln – erstmal für sich selbst (!!) und auch für andere.

Und das kann zu Verbindung, Offenheit und Echtheit in der Kommunikation beitragen – und damit zur einvernehmlichen Lösung von Konflikten.

Ich kann diese Bücher zum Thema empfehlen… 

Und in vielen Städten gibt es mittlerweile GFK-Übungsgruppen. Vielleicht ja auch bei dir in der Nähe?

Einer der Workshopleiter (Christoph Hatlapa) hatte den Lebensgarten „damals“ mit gegründet und hat so einige unglaubliche Geschichten erzählt. Eins ist klar: Bei der Gründung von so einem Riesenprojekt braucht es nicht nur Handwerker und Gärtner, sondern auch Juristen und Mediatoren!

Ein Grund dafür war: Für die alteingesessenen Steyerberger war der Lebensgarten in den ersten Jahren nach der Gründung sehr suspekt – es kamen heftige Verleumdungen und Sektenvorwürfe, die solche „alternativen“ Gemeinschaften anscheinend regelmäßig treffen. Doch mittlerweile haben sich die Verbindungen sehr verbessert. Es gibt sowohl im Lebensgarten als auch im Dorf viele Unternehmen rund um Kunst und Handwerk, Energieversorgung und Umwelt, eine Freie Schule und vieles mehr.

Frei lernen in Deutschland?

Unter den Workshopteilnehmern war eine Mutter, die erklärte, wie sie es geschafft hat, dass ihre Kinder in Deutschland nicht zur Schule gehen müssen, und stattdessen frei lernen dürfen. Das kann sogar hierzulande funktionieren: Und zwar, indem man die Kinder an einer freien Schule anmeldet, deren Lernbegleiter erkannt haben, dass nicht alle Kinder immer zur gleichen Zeit im gleichen Gebäude namens „Schule“ lernen müssen…

…und eine der Workshopleiterinnen (Gaby Kumm) ist Lehrerin an einer Freien Schule in Bremen, wo die Kinder morgens zuerst meditieren – und die lieber gewaltfreie Kommunikation üben, anstatt „normal“ auf Klassenfahrt zu fahren.

Diese freie Schule (und auch viele andere) wird geradezu überflutet von Praktikums-Anfragen von Lehrern! Toll, finde ich – offensichtlich wird immer mehr Menschen klar, dass unser Schulsystem sich sehr dringend ändern muss.

Überhaupt haben viele Gespräche hier eine tiefe Zuversicht in mir geweckt: Ja, es gibt ganz viel Hoffnung für die Menschheit und die Natur! Immer mehr Menschen merken, dass es nicht mehr weiter gehen kann wie bisher, und öffnen sich für Veränderung…und es ändert sich bereits so vieles zum Positiven, Schritt für Schritt. Lasst uns das nie vergessen, auch wenn uns die Nachrichten anderes weismachen wollen!

Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, teile ihn gerne!
Auch Fragen und Anmerkungen sind herzlich willkommen -
in den Kommentaren, per Mail oder Facebook.

Herzensgrüße,
Manuela
Share on facebook
Share on whatsapp
Manuela Kuhar

Manuela Kuhar

Naturnah und gemeinschaftlich leben und etwas erschaffen, was die Welt etwas schöner hinterlässt...

Wie kann das gehen?

Um das zu erforschen, bin ich seit November 2018 auf Reisen
und besuche Ökodörfer und andere "alternative" Lebensgemeinschaften.

Das könnte Dich auch interessieren:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Hinweis zum Datenschutz: Ich stimme zu, dass meine E-Mail-Adresse und mein Name gespeichert werden, damit ich einen Kommentar zu diesem Blogartikel abgeben kann. Meine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Meine IP-Adresse wird nicht gespeichert. Die Daten werden über eine verschlüsselte Verbindung übertragen und sind sicher. Ich stimme dieser Regelung und den → Datenschutzbedingungen zu.

Möchtest du mit reisen – per Email?

Du bekommst 1-3x pro Monat eine Email mit Erfahrungsberichten, Tipps und Inspirationen aus verschiedenen Gemeinschaften. 

Du kannst dich jederzeit aus dem Newsletter austragen.
Ansonsten gilt die Datenschutzerklärung.